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Okay, heute haben wir den 8.4.2016. Werfen wir doch mal wieder das Stöckchen:

Da, Suchmaschine, geh suchen Stichwort "Pseudozeitung". Und das Maschinchen bringt freudig bellend auf Platz 1 UNS hier. Richtig so.

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Platz 2 passt auch: Da hat http://www.arthurdent.de/html/pseudos.html eine "Geschichte der Pseudozeitungen" verfasst, die im Internet die relativ namens- und datums-stärkste ist. In der Recherche 2012 war dieser Beitrag "ranking 6" und muss hier nicht nochmal stehen.

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Platz 3 liefert auf dem Stand von etwa 2012 so ziemlich alle Links, die zum Thema Pseudowesen noch funktionieren. Von der Seite http://home.arcor.de/susanne.dieter/pseudos/mags.htm  wird hier das wiedergegeben, was auch 2016 noch findbar ist:

Pseudomagazine

1. Perplex - das einzig mir bekannte 2012 noch existierende Pseudo-Magazin
Es erscheint seit 1987 alle vier Wochen. Ja, das sind wir hier.

2. Das Fragezeichen
... besteht leider nur noch aus einer Startseite. Kein Link funzt mehr.  Was war da mal? "Die Pseudos kommen hauptsächlich aus Nürnberg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen, aber auch aus dem Saarland und dem Trierer Raum schreiben ein paar Pseudos mit. Erscheint alle drei Wochen, Kosten: 6 Ausgaben 10,50 EUR."

3. Die Rubrik 311 im Findling
Wahrscheinlich die letzte Rubrik in einem öffentlich zugänglichen Anzeigenblatt, erscheint wöchentlich Dienstags im Findling, Ausgabe Saarland/angrenzende Pfalz, 2 Coupons pro Haushalt à 500 Zeichen sind erlaubt. Im Internet kann man die Anzeigen lesen und entweder einen Coupon ausdrucken oder eine Anzeige direkt über die Website des Findlings schalten.
Da schau her: Dieser "Findling" bietet auch 2016 noch im Internet die Atmosphäre eines Annoncenblattes, wie es eben Ende der 80er auf Papier boomte. Diese "Rubrik 311" allerdings hat sich wohl verabschiedet. Also kein Pseudo inseriert da 2016 mehr.

4. Das Pseudodrom
Hier handelt es sich um ein reines Internet-Magazin mit zweiwöchentlichem Erscheinungsrhymthmus. Die Pseudos kommen hauptsächlich aus Frankfurt, aber auch ein paar aus dem Norden oder dem Saarland. Es existiert gar keine Zeichenbegrenzung und die Teilnahme ist völlig kostenlos.
Die Teilnahme WAR wohl eher - denn nach 2002 gibt es keine Einträge mehr. Doch auf dieser Seite findet sich, o Freude, eine gewisse Vergangenheitspflege:

Rückblende     Best Of PD      Endlose Geschichte        Weihnachts Geschichte     Speaker's Corner

5. zu "Guck-Mal (Gucky)" gab es nur eine e-mail-Adresse. Okay, die wurde am 8.4.2016 angemailt. Zurück kam schon am 9.4. die Antwort:

Hallöle!       Leider haben wir unsere Zeitung am 07.2006 mit Jahrgang 19_ Ausgabe 250 eingestellt.
Berufe und Zeitmangel der Redax sowie das Pseudosterben auf Grund des Internets waren ausschlaggebend .

.... da bekommt mensch durchaus einen Eindruck im Internet, wie das Pseudowesen so vor sich hintuckert. Ja, wir sind Amateure. Aber: Wir waren die ersten, die eben unsere Amateurproduktion zu publizieren schafften. Heutzutage posaunt sind die millionenfache Masse an Amateuren in die Welt, dank facebook, flickr, twitter.

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Platz 4 nutzt eben diesen Twitter:

 

"Pseudo-Zeitung-lesen kann der Typ gegenüber im Zug echt nicht. "

https://twitter.com/BruinenbergNell ist die Homepage der Autorin. Da dokumentiert eine von Millionen ihr Taumeln durchs moderne Dasein. Die Kurztexte schnattern aus der Situation heraus, die Fotos plätschern herum.

"Es geht uns besser als im Mittelalter. Aber die meisten raffen ihre Welt und ihre besonderen Umstände und sich selbst so wenig wie damals." (das ist KEIN Tweet, sondern steht etwas dauerhafter HIER, nur hier)

https://twitter.com/bruinenbergnell/status/664153465996877827  ist der Link zu genau diesem Tweet, in dem das Wort "pseudo-zeitung" ohne Bezug zum Pseudowesen halt mal auftaucht.

Die Verortung des Links mit einer 18-stelligen Zahlenfolge symbolisiert: Die Konzerne im Internet hamstern. Alles. Einfach so mal. Für die Zeiten künstlicher Intelligenz. Die versucht daraus dann Nutzen zu fischen. Für irgendwas. Aber kaum für was Gutes.

schließlich ist der einzige teilweise deutschsprachige Hashtag, den die Autorin (wenn das Foto mal echt ist) dem Tweet beifügt. Hashtags versuchen zu verschlagworten, sind aber in der Hand der User (englisches Wort, wie Hashtag, Tweet und Twitter). Also die Autorin fügt ihrer Pseudozeitungs-Wort-Nutzung noch zwei weitere solche Rubriken zu, in denen aber nur noch englisch geredet wird. Klickt man zum Hashtag, wird die Uferlosigkeit des Twitter-Facebook-Palavers aufgezeigt.

...So, haben wir jetzt heftig über einige Tendenzen der Neuzeit gemeckert? Ja, das befreit. Die digitale Revolution, in der wir stecken, ist eigentlich klasse. Doch das Werbegewäsch, unterhalb dessen Horrorfilme vermarktet werden und der Terror wächst, der den Film-Horror real nachvollzieht, navigiert uns an den guten Möglichkeiten derzeit vorbei. Perplex ist gut, Amazon / Google / Facebook sind böse. Perplex ist klein, tja.

Unkenntnis, dass es in der Welt der Publikationen seit Ende der Achtziger Pseudozeitungen gibt, liegt auf Platz 5 der Suchmaschine dem folgenden Artikel http://rundschau-retten.de/2013/01/25/offener-brief-an-die-waz-erfinder-der-pseudozeitung/ zugrunde, der ein Schmähwort zu erfinden versucht, indem er eine ohne Redakteur betriebene Zeitung "Pseudozeitung" nennt:

"Der DJV-NRW hat heute in einem Offenen Brief an die Gesellschafter und die Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe noch einmal sein Entsetzen und seine Fassungslosigkeit über die plötzliche Abwicklung der Redaktionen der Westfälischen Rundschau zum Ausdruck gebracht. Landesvorsitzender Helmut Dahlmann und Geschäftsführerin Dr. Anja Zimmer warnen den Medienkonzern vor einem desaströsen Image: „Die WAZ Mediengruppe wird künftig dafür stehen, die Tageszeitung ohne eigene Redaktion erfunden zu haben, die Pseudozeitung“, heißt es in dem Offenen Brief."

Veröffentlicht am 25. Januar 2013 von Silke Bender

Dieser Text ist rein formal lesbarer als das Twitter-Gemurmel auf Platz 4. Inhaltlich steckt es aber im Insider-Delirium fest: Die WAZ-Gruppe, was ist das? Sogar auf deren Homepage http://www.derwesten.de/ nennt sie sich nur WAZ, WAZ, WAZ - und meint, die Welt kenne WAZ so gut, dass nirgends gesagt werden muss, was das sei. Vermutlich die Westfälische Allgemeine Zeitung? "Welt am Zerfall" ginge aber auch. Und bei "DJV-NRW", da muss man dann schwer nachdenken: "Deutscher Journalisten Verband Nordrhein West Falen" - der Lesbarkeit zuliebe wurde dieses Wortemonster mal in sechs Fragmente zerlegt - ist vermutlich die Lösung. "Denkt jeder Verband - Nur Richtig Wirken"? lässt sich da fragen.

Wir merken, dass die Suchmaschinenfunde nach Platz 3 uns nicht weiter tragen.